1

Ich folgte meinem Vater hinter das Nebengebäude. Unter dem Nussbaum gab es einen ca. 1m hohen Holzstamm. Er fing ein Huhn ein, nahm es zwischen seine großen Hände, und trug es zu dem Stamm, ich stand in der Nähe. Er legte das Huhn seitlich auf den Stamm und hielt es mit einer Hand fest. Mit der anderen Hand hob er das Beil, und schlug in einem Hieb dem Huhn den Kopf ab! Dann ließ er das Huhn los und es flog einige Meter ohne Kopf weiter, dann fiel der Körper leblos zu Boden. Der Kopf kugelte daneben...

Später kletterte ich immer auf den Nussbaum um von oben zuzusehen, denn ich hatte Angst vor den Blutspritzern. Nachdem der Kopf fiel und der Körper davongeflattert war, sprang ich vom Baum um mir das Ganze genauer anzusehen. Mein Vater hob den Kopf des Huhns und zeigte mir, dass man die Augenlider des Huhns schließen und öffnen konnte.       Er schloss die Augen. Als ich ihn fragte warum er das tat, sagte er mir, dass die Hühner nur in den Himmel kommen, wenn die Augen geschlossen sind. Von diesem Tag an, war ich immer dabei, wenn mein Vater Hühner schlachtete. 

Ich wollte dabei sein, unbedingt! Immer kletterte ich auf den Nussbaum um genug Abstand von dem spritzenden Blut zu haben, sprang danach sofort vom Baum und lief dem Kopf nach, um ihm die Augen zu schließen! Ich war immer sehr vorsichtig und glücklich, wenn ich die Augen schließen durfte, denn so konnte ich dem Huhn helfen, in den Himmel zu kommen. Manchmal schlossen sich die Augen von selbst, und ich war ein bisschen traurig, wenn ich dem Huhn nicht helfen konnte in den Himmel zu kommen. Später war ich oft in der Schule wenn wir schlachteten, und wenn ich nach Hause kam, und das sah, war ich sehr traurig und wütend, weil sie nicht auf mich gewartet hatten, denn niemand war da, um ihnen die Augen zu schließen.

 

2

Als ich ca. 7 od. 8 Jahre alt war, hatten wir Hasen und ich wollte unbedingt sehen wie mein Vater die Hasen tötet bevor wir sie essen, von den Hühnern kannte ich das ja schon....

Meine Mama meinte - nein ich sei zu klein und wenn ich das sehe, esse ich das Fleisch danach nicht mehr, aber ich bettelte und flehte und wollte unbedingt wissen, und sehen wie er das macht. Ich sagte, aber auch bei den Hühnern darf ich zusehen und ich essen das Fleisch trotzdem: also durfte ich zu sehen:

Mein Vater nahm einen der großen Hasen... streichelte ihn.... dann nahm er ihn bei den Ohren hob ihn hoch, und schlug, mit einem schweren Stumpfen Metallteil das Genick ab.... der flauschige graue Hase war schon tot, aber sein Körper zuckte und zappelte noch ein wenig länger...

Ich wollte das Fleisch nicht essen.

 

 

3

Ich war 18 oder 19 Jahre alt und arbeitete auf unserem Bauernhof. Eine unserer Kühe hatte Zwillinge geboren. Das kommt nicht Häufig vor und ist natürlich eine unglaubliche Anstrengung für das Tier, das Erste Kalb kam alleine, beim Zweiten mussten wir helfen. Das geschieht so: Man reibt die Öffnung der Kuh mit Staubzucker ein, damit sich die Muskeln entspannen, greift (wenn die Beine noch nicht zu sehen sind)  hinein und bindet an den Beinen des Kalbs einen starken Strick fest. Am anderen Ende des Stricks sind Holzstücke befestigt, damit man besser greifen kann, und dann zieht man sobald die Wehen kommen zu zweit oder zu dritt. Das war zwar nicht das Erste Mal das ich bei so etwas dabeigestanden habe, aber soweit ich mich erinnere das Erste Mal, dass ich mitziehen musste. Es dauerte, schien aber soweit gut gelaufen zu sein.  Die beiden Kälber hatten Flecken und schwarze Punkte auf der Nase, wie ihre Mutter.  Wir rieben die beiden mit Stroh trocken und beobachteten die nächsten Stunden ganz genau was geschah. Normalerweise können die jungen Kälber nach einigen Minuten stehen und suchen nach Milch, manchmal kann man dabei ein wenig helfen. Und wenn das Junge nicht bald aufsteht ist klar, das es höchst gefährdet ist. Der Erstgeborene war größer und stärker und hatte sofort entdeckt wie das alles läuft, der kleinere aber, nun ja, der brauchte unsere Hilfe um nicht sofort wieder umzufallen, aber er schaffte es anfangs auch- doch die Natur testet ihre Schöpfung sofort- der größere verdrängte den kleineren und der wurde immer schwächer was sich in einigen Stunden deutlich zeigt. Wir halfen natürlich da und dort, aber der Kleine war wirklich schwach geworden.  Nun, es gibt noch die Möglichkeit der Kuh etwas Milch abzumelken und dem Kalb ein Fläschchen zu geben! Das gemischt mit Homöopathischen Stärkungstropfen bringt im eigentlich immer alles in Ordnung.  Ich gab dem kleinen die Flasche- er nuckelte und stieß mit dem Kopf und verschluckte sich ständig, aber er schien trinken zu wollen, was ein gutes Zeichen ist. Es schien ihm gut zu gehen, also ging ich eine Weile meiner Arbeit nach, und machte meinen Kontrollgang alle halbe Stunde. Aber irgendetwas war nicht ganz in Ordnung, der Tierarzt konnte nicht helfen, und mein Vater sagte nur „entweder er schafft es oder er schafft es nicht“. Ich fühlte mich verantwortlich und ich blieb dann Stundenlang im Stall, gab ihm die Flasche, guckte ihm zu und erzählte ihm von der Wiese und der Sonne und dem Leben... Es schien ihm besser zu gehen, wieder gab ich ihm die Flasche, er machte einen Versuch aufzustehen- er schaffte es nicht, er machte einen weiteren, er schaffte es nicht, wieder versuchte er aufzustehen und wieder war ich da und versuchte ihm zu helfen das Gleichgewicht zu finden.  Ich war da, er schaffte es nicht, er lag neben mir im Stroh und sein Körper war ganz schwach und zitterte, wir sahen uns an- er schien mir sagen zu wollen „ Ich will ja, aber, es ist einfach zu schwer!“. Ich glaube Angst in seinen Augen gesehen zu haben- er zitterte, ich bedeckte ihn mit mehr Stroh, streichelte seinen Kopf, sein Herz. Er starb in meinen Armen.

Ich weinte.

Nachdem ich eine Weile gar nichts tat ausser den jungen toten Körper zu halten und zu beweinen, ging ich zu meinem Vater. Ich sagte ihm, er ist gerade gestorben- er sagte „ Jo- mei!“ - er war auch traurig, aber er hatte wahrscheinlich einfach nur schon mehrere dieser Erlebnisse gehabt.  Er ging in den Stall, ich hinterher. Er hob an den Vorderbeinen an und schleifte den Körper aus dem Stall, bedeckte ihn mit einer Plane, rief bei der TKV an und wir gingen unserer Arbeit nach...

An diesem Nachmittag war die ganze Familie bei der Ernte auf einem Feld in einem anderen Dorf zugange, ich auch. Mein Vater schickte mich nach Hause um einen Handwerker ins Haus zu lassen. Während ich auf den Handwerker wartete, kam der Transporter der TKV - Tier-Körper-Verwertung, um das tote Kalb abzuholen. Es war ein grauer Lastwagen mit einem Kran und einer mechanisch verschließbaren Öffnung an der Oberseite des Laders.  Das tote Kalb lag am Eingang zum Misthaufen, es war mit einer nach Silo stinkenden Plane bedeckt. Ich zeigte dem Fahrer die Stelle und zog die Plane ab. Er bediente den Kran mit einer Fernbedienung. Die Kralle fasste den Körper des toten Kalbs und hob es an, aber es rutschte in ca. 1m Höhe heraus und fiel zu Boden wobei der Körper in unnatürlicher Weise landete, ich erinnere mich an ein knackendes Geräusch, das mich gruselte, es hörte sich an als würden noch einige Knochen brechen, aus dem Maul des Kalbs kam Milchschaum und es tropfte. Zweiter Versuch, das Kalb mit der Krankralle zu fassen, dritter Versuch- dieses Mal kniff eine der Kranzähne in die Körperseite des Tieres, es wurde hoch hinauf gehoben. Milchschaum tropfte aus dem Maul, die Zunge hing heraus, die Augen waren milchig weiss und verdreht, der Fahrer öffnete die Deckenluke des Laders und schwenkte das Kalb über die Öffnung. Unglaublicher Kadaver Gestank erfüllte die Luft es war mitten im Sommer und das Kalb roch schon nicht mehr gut, aber in dem Lader waren schon andere tote Tiere, und wer weiss wie lange er schon mit den Kadavern im Lader in der Sommerhitze durch die Gegend fuhr.   Die Kralle öffnete sich und der tote Körper verschwand in der Tonne, ich konnte es weich fallen hören aber ich hörte auch Knochen zumindest glaube ich das, und eine Art dumpfes Gematsche. Fliegen flogen auf- tausende wie mir schien, der Geruch verteilte sich stärker über den Hof und die Luke schloss sich langsam wieder mit mechanischem Summen und metallischem quietschen und einrasten.

Ich unterschrieb einen Zettel und der Laster fuhr wieder ab.

 

4

Gegen Erfahrung

5. April 2014     21:13h

Ich werde in kürze mein erstes Huhn schlachten-Offenbar.

Es ist Samstag Abend, in zwei Tagen reise ich ab, Erim wird es mir zeigen und dann werde ich versuchen einen Hahn zu töten. Ich habe ihn darum gebeten es mir bei Gelegenheit zu zeigen... abgesehen von meinen Kindheitserinnerungen wie mein Vater Hühner tötete, gibt es keine Vorurteile mehr- Vielleicht.

Ich bin etwas müde, der Tag war schön und sonnig, Arbeit aber nicht zu viel. Insgesamt sehr entspannt. Ich bin etwas nervös... Ich habe noch nie absichtlich und im vollen Bewusstsein über die Handlung ein Tier getötet.

Ich habe Angst auch.

Ich werde es wahrscheinlich nicht oft machen in meinem Leben, ich habe es zumindest nicht vor. Aber ich muss wissen, was es bedeutet den Tod zu bringen.

Seltsam, dass ich den ganzen Tag über schon so ein Gefühl hatte...

Ein Teil von mir war sogar traurig, weil ich die Wochen über, immer wieder kurz daran gedacht hatte, es aber nicht so aussah als würde es dazu kommen... 

Ok jetzt ist es bald doch soweit und ich hab ein bisschen Angst.

00:00 

Ich habe meinen Hahn getötet.

Ein weißer Hahn.

Wir haben ihn aus dem Baum gefangen, auf dem er schlief. In eine Kartonkiste gepackt und vom Hof, hinten auf eine Wiese getragen, neben einem alten Karren.

Erim sagt mir, dass er seine inneren Führer bittet ihm den Weg zu zeigen...

ich nehme innere Zuflucht.

Ich hielt den Hahn in meinen Händen und streichelte ihn, während Erim seine Krallen zusammengebunden hat und ihn verkehrt herum an den Karren hing.

Erst den schwarzen und danach den weißen Hahn. 

Erim zeigte mir das Messer, und wie man die Hauptschlagader durchtrennt, ohne die Speiseröhre dabei zu verletzten.

ein Stich und ein kleiner Schnitt falls nötig... Erim tötet den schwarzen Hahn, ich dann den Weißen. 

Er zeigt mir, wie ich die richtige Stelle finde, den Hals zwischen Daumen und Zeigefinger, Das Messer in der anderen Hand, Ein schneller fester Stich und ein kleiner Ruck. Es fühlt sich seltsam an- der Widerstand ist gering, glatt und weich der Stich. Nur die Haut und im inneren ein kleines widerspenstiges Knacken, 

aber einen winzigen Moment lang lebt der Hahn noch an der Klinge in meiner Hand.

Ein kleiner Ruck mit dem Messer in Richtung des Nackens, er blutet, nicht zuviel, aber doch. 

my hands feel bloody

Er schlägt mit den Flügeln, ein zwei Mal, es dauert etwas bis die Nerven aufhören Impulse zu senden. Dann ist der Körper ganz ruhig, und man denkt das war`s, aber nein noch ein Zucken... aus dem Hals des Hahns dringt Blut. Schubweise es glänzt im Licht meiner Kopfleuchte, dann sickert es nur mehr aus dem kleinen Schlitz in seinem Hals, und versiegt.

Ich spreche ein stilles Gebet...

Gemeinsam binden wir die toten Körper los und nehmen sie mit ins Haus.

Wir legen sie auf Zeitungspapier. Erim bereitet heißes Wasser und die ganzen Tiere werden kurz darin versenkt. Es stinkt.

Dann werden sie gerupft, das ist nicht schlimm. Was mir schwerfällt ist das abtrennen des Kopfes. Erst wird das Genick gebrochen und dann die Haut und die Gurgel durchgeschnitten, dann noch ein Ruck und der Kopf ist ab, aber ich schaffe das nicht besonders gut und es dauert... der weiche Hals und der kleine Kopf... ein paar unbehände Drehungen, es erinnert mich mehr an abreißen als sauber abtrennen...

ich denke an meinen Vater- mir erscheint seine Art einfacher...

Dann die Krallen mit den Unterschenkel Knochen- das geht einfacher. Man knickt einfach das Gelenk in die andere Richtung unddurchtrennt Haut und Sehnen.

Auf dem Tisch werden sie ausgenommen. Dabei versucht man das gesamte Innenleben, am Besten in einem Stück herauszuschälen... das ist relativ schwierig.

Erim macht es zuerst, ich versuche seinen Bewegungen zu folgen und zu sehen wie...

Nachdem er fertig ist, versuche ich es bei dem anderen... 

Es fühlt sich komisch an, eklig und grauslich. Mich durchläuft ein Schauern. Immer wieder muss ich gegen einen inneren Widerstand ankommen, jetzt stinkt es richtig und zwischendurch überkommt mich ein leichter Brechreiz. Mir ist schlecht, es stinkt und meine Finger popeln in den Eingeweiden. Ich trinke einen Schluck Rum, und nach dem dritten Anlauf gelingt es mir endlich das ganze Zeug herauszuholen.

Ich bin erleichtert als es endlich geschafft ist. Doch es ist noch nicht ganz geschafft, denn im Hals verbirgt sich noch etwas. Eine Art Säckchen, indem die Getreidekörner und das Futter erst gespeichert und eingeweicht wird... schließlich ist auch das entfernt! 

Der Körper wird in Folie gepackt und ab in den Kühlschrank...

Die ganze Aktion durch hatte ich dieses seltsame Gefühl, dass es nicht nur ums töten geht. Da ist etwas tiefes, altes, wissendes das mitschwingt, und die Tatsache dass wir gemeinsam ein „Hühnchen rupfen“ schlägt in mir eine seltsam symbolbehaftete Stimmung an.

Waschen und schlafengehen, 2 Stunden hat das gedauert, aber ich war wie gesagt sehr langsam...

Ich fühle mich immer noch dreckig

Am nächsten Morgen gehe ich noch Einmal zu der Stelle. Im jungen grünen Gras zwei rote Flecken.

Mittags gab es gebratenen Hahn...

 

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