Das Andere Gewahrsein:

Damals malte ich Bilder die ich in Meditation gesehen hatte. Ich malte die Farben, manchmal Symbole. Ich spürte etwas in mir aufsteigen holte die Leinwand und dachte nicht nach folgte dem reinen Impuls dieses inneren Aufstiegs. Ich wusste nicht was kommt, ich tat nicht, ich folgte, lies die Wahl der Faben diesem inneren Vibrieren folgen, malte mit den Fingern und hatte eine Art Technik entwickelt und beherrschte nach einiger Zeit die Effekte....

- es ging immer relativ schnell- aber unter einer höchsten inneren Spannung die von jener unbestimmten Vibration ausging und sich durch meinen ganzen Körper ausdehnte und über mein Herz und meine Fingerspitzen floss- meine Augen sahen nicht wirklich das äußere Bild das entstand, es war als sehe ich ein zweites Bild, vor der Handlung die ich vollzog- eine zweite Wirklichkeit. Danach sah ich mir das Bild lange an und entschied mich was nun wohl oben und was unten war... Diese Art zu malen, hat in mir eine Öffnung geschlagen zu etwas das ich nur das Andere Sein nennen konnte... 

Irgendwann später habe ich viele Knochen gesammelt für eine Arbeit.... ich lief durch den Wald und bat ihn mich zu den Knochen zu führen, mich jene finden zu lassen die teil dieser Arbeit werden wollten... der Wald antwortete mir-               ich erlernte eine Art mich durch den Wald zu bewegen - nicht mehr das Mädchen nicht mehr das Menschliche in mir hat mich geführt ich wurde etwas anderes, ein Jäger ein Tier, ein reines Wahrnehmen-  die Bewegungssinne waren andere, die Geräusche nahm ich anders wahr, ich spürte die Wurzeln und die Tiere ich spürte das Wachsen und den Zerfall, ich spürte die Bäume atmen...Die Knochen habe ich nicht ganz alleine gefunden- sie wurden mir gezeigt! Manchmal von anderen Tieren, manchmal von Bäumen oder einer Bewegung von Lichtern und Schatten die sich abzeichneten, ich wurde geführt- weil ich zulassen konnte, weil ich ein Teil des Ganzen wurde...

Seit dieser Zeit im Wald habe ich anders gearbeitet, wenn ich Kunst gemacht habe- intuitiv ja, aber nicht nur- das Andere das ich bin, das Andere ist in jedem Wesen, man kann die Verbindung aufbauen, aber um das andere durch sich atmen und handeln zu lassen, muss man ihm Raum gewähren, man muss dieses Gewahren freilegen in sich, so wird man Teil einer unendlichen Strömung an Kraft Wahrnehmung und Sein. Durch diesen Blick nimmt man alles anders wahr- die Tiere die Natur auch die Menschen und sich Selbst seinen Körper... Alles gewinnt an Intensität. Zeit und Raum und Suchen verändern ihren normalen Ablauf und erweitern sich in dieses Gewahrsein hinein...

 

 

 

Über Steine:

Allgemeinhin neigt man zur Behauptung das etwa ein in Stein gemeißeltes Bild ewig währt. In meiner Wahrnehmung waren Steine lange Tote Wesen. Aufgrund ihrer Unbewegtheit und Unbelebtheit. Ich befand sie als relativ uninteressant für mich.

Irgendwann hatte ich ein seltsames Erlebnis, ich befand mich in der Nähe von Koblenz am Rhein. An jener Stelle hatte sich der Fluss ein Tal gegraben und innerhalb  einer Biegungen wucherten sich Felsen vom Fluss bis an die obere Kante des Grabens. Der Erste Eindruck des Gebildes ließ mich an eine Wirbelsäule denken, oder das Gebilde ähnelte einer Steinernen Treppe- wobei die einzelnen Stufen mindestens zwei Meter Höhenunterschied hatten. Aber nein das Wirbelsäulen Bild war stärker... Nun ich näherte mich den Steinen am Grat. Setzte mich auf einen der Steine legte meine Handfläche auf den Felsen und schloss die Augen. Nach einigen Momenten riss ich panisch die Augen wieder auf, denn der Eindruck dass der Fels gar keine Dichte hatte- sich aus kleinsten schwirrenden Teilchen zusammensetzte und im Begriff war sich aufzulösen und zu im Moment zu zerbröseln, wobei die Teilchen in alle Richtungen schwirrten, überkam mich mit erschreckender Todes nähe. Mein Körper zuckte zusammen und kroch auf allen vieren vom Abgrund nach hinten. Nachdem ich die Felsen eine Weile beobachtet und festgestellt hatte, dass sie sich offensichtlich nicht bewegten geschweige denn auflösten, nahm ich meinen Platz erneut ein.   Wieder schloss ich die Augen, dieses Mal versuchte ich den Stein zu spüren. Wieder fühlte und sah ich durch meine geschlossenen Augen wie er sich in unendlich kleine Teilchen löste die sich in spiralförmigen Bewegungen wandten. Ich verspürte erst einen enormen Sog nach unten, durch meine Wirbelsäule ziehen, erst sah ich mich selbst, unten auf Flusshöhe stehen und schon war ich mit der Steinernen Wirbelsäule ins innere der Erde gewandert. Die Windungen der Teilchen die langsamer wurde mit der Tiefe aber dennoch als spürbare Bewegung sich gleichsam unaufhaltsam tiefer drang,durch aber auch um meinen Körper verschob wurde intensiver- jetzt waren wir am innersten der Erde angelangt und die Teilchen wirbelten um ihren heißen flüssigen Kern. Nun dehnte sich die Windung und stieg erneut durch dunkle Gesteinsmassen mit unterschiedlichen Dichten nach oben, wieder am Fluss mit dem Wasser und der wiedergefundenen Luft schnellte die Spiralige Bewegung der Teilchen nach oben ich sah noch einen Augenblick wie ich auf dem Stein saß - die Teilchen schnellten mich mit nach oben und oben und oben in den Himmel ich sah die Welt unter mir bis der Himmel meine Sicht völlig einschloss. Die Teilchen die Bewegung sog weiter nach oben, und als wir die Atmosphäre der erde durchstießen fühlte ich auch diese Dichte- die Dichte unserer Atmosphäre- ausserhalb angelangt war es viel weicher, leichter, einen Moment spürte ich die veränderte Kraft in den Teilchen und in  in ihrer Drehung- aber die Bewegung sog erneut an wir wirbelten weiter, wir stiegen weiter, drehten und sprühten uns aus dehnten und sogen weiter hinaus an Sternen vorbei und immer vorbei in die Schwärze und es hörte nicht auf.... ich weiss nicht genau was dann war aber ich weiss dass ich wieder meine Körper spürte- immer noch das Wirbeln und drehen der Teilchen ich war immer noch Teil der Spirale. ich öffnete meine Augen und sah. Jetzt erkannte ich den Ort. Es war Tatsächlich eine Wirbelsäule der Erde. Und ich wurde mir bewusst, dass die Bewegung nicht stoppte, obwohl ich meine Augen geöffnet hatte, obwohl ich sah dass weder mein Körper noch der Stein seinen Platz verlassen hatten spürte ich die Spirale Bewegung weiterdrehen ziehen und sogen. ich fragte mich ob die Bewegung im begriff war aufzusteigen oder wieder in die Erde zu sinken, und erkannte, das sie keine der Bewegungen beendet hatte- eine doppel Helix????- sie stieg ewig nach unten umrundete den Erdkern und erhob sich ewig nach oben ins All. Sie lief durch diesen Ort und durch meinen Körper und die Steine waren die Träger, sie waren die physischen Herzen die diese Bewegung übertrugen, sie gaben ihre Teilchen, - die Steine tanzten!

Manchmal vergesse ich das. 

Aber mein Verhältnis zu den Steinen hat sich verändert. Lange Zeit hatte ich Angst dass die Berge sich auflösen, das die Erde zerfallen könnte so wie ich im Ersten Moment zurückzuckte, aus Angst... Ich konnte den Steinen nicht mehr vertrauen, wenn sie nur aus kleinen schwirrendden Teilchen bestünden, könnten sie mich nicht tragen, die ganze Erde könnte mich nicht mehr tragen, es War Erschreckend! Bis ich bemerkte, dass auch ich mich in den Strom begeben konnte. 

Nicht alle Steine haben sich entschieden. Nicht alle Dinge haben sich entschieden diesen Tanz zu tanzen. Nicht alle Menschen haben sich entschieden diesen Tanz zu tanzen, aber wir alle können und dürfen...

 

ich sehe in dein linkes Auge und lege einen Stein in deine Hand

 

 

Zwei Wege zu Handeln

 ... die sich mir hier offenbart haben, wie man denken kann, wie man arbeiten kann, wie man Handeln kann.

Man hat es mit etwas altem zu tun, etwas das vielleicht schmutzig, oder kaputt, nicht so schön, nicht so sauber und nicht so gesund ist....

Jedenfalls ist es an der Zeit, Jetzt mit diesem Etwas zu handeln und genau hier kann man sich entscheiden....

Entweder zu sagen, gut das Ganze ist nicht schön, also nehme ich meine Kraft um den Ort oder die Sache die mir weniger gefällt zu kaschieren, zu verstecken was nicht schön daran ist, zu verstecken, das etwas krank ist, die Fassade auszubessern so zu sagen. Man kann sich also Entscheiden etwas hinzufügen, um das was man nicht sehen will, auch nicht ansehen zu müssen. 

Dann muss ich mir aber bewusst sein, das Ding ist und bleibt trotzdem da! Das nicht schöne, es ist zwar versteckt, man kann es nicht sehen oder nicht sofort, aber, es ist und bleibt an dem Ort oder in der Sache verhaftet...

Das ist der Einfachere Weg!

Es gibt einen zweiten Weg, einen, der vielleicht etwas schwieriger ist, einen Weg der vielleicht länger dauert, aber dafür etwas Grundsätzliches verändert.

Das ist der Weg: Man sieht sich die Sache, den Ort der krank, nicht so schön oder nicht so einladend ist noch einmal genauer an. 

Man sieht ihn an! 

Man sieht was einem nicht gefällt! Aber BEVOR man beginnt etwas Hinzuzufügen, nimmt man Erst einmal alles Weg was einem nicht gefällt! Man reinigt den Ort! Man spült die Sache mit Wasser ab! Man säubert, man klärt die Sache!

Man dreht und guckt solange hin, man nimmt solange weg, bis man erkennt, oder findet, dass es genug ist. Bis man das Eigentliche wieder sehen kann!

Bis man das Wesen sieht! 

Das Reine Ding!

Und erst dann, kann man etwas hinzufügen wenn man möchte!

Nun. 

Am Ende beider Wege hat man das Selbe Ergebnis. 

Eine schöne Sache, einen schönen Ort!

Dennoch ist und bleibt ein Unterschied! Ein Kleiner wie man meinen könnte, und doch ist es ein enormer Unterschied! 

Der Dreck wird entweder versteckt, oder sichtbar gemacht!

Wird er versteckt, bleibt er haften, und wird immer einen geheimen Weg finden zu Tage zu treten, denn der Schmutz will gereinigt werden! Oder dem Schmutz wurde Aufmerksamkeit geschenkt, die Verletzung wurde ausgeheilt, der Dreck wurde bereinigt, und muss daher nicht mehr beachtet werden und wird somit auch nicht mehr versuchen zu Tage zu treten...

Der Ort ist ein schöner Ort, der Ort ist sauber, die Sache ist geheilt!

Der Schmerz durfte zu Tage treten!

Es wurde ihm Platz gemacht und Platz geschaffen um sich zu zeigen. 

Und dann ist Frieden!

Es liegt immer an uns, zu entscheiden wie wir an uns und an den Dingen, mit denen wir es zu tun haben, arbeiten.

Es ist unsere Entscheidung, ob wir verstecken und nicht hinsehen wollen, oder ob wir genau hinsehen um das Problem zu erkennen, um die Medizin zu finden... um überrascht zu werden, welche Schönheit sich versteckt gehalten hat, unter dem Dreck, hinter dem Schmerz, zwischen den Fugen... 

 

Elisabeth Scharler am 20. August 2013

 

 

 

 

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